Fußball, Gärtnern, Trinken? – Rückblick auf unseren Stadtrundgang um den Leo

Am 25. Juli versammelten sich über 30 Menschen im schattigen Lesegarten vor der Schillerbibliothek, um Tobias Schulze zuzuhören, der zum Rundgang um den Leopoldplatz im Wedding eingeladen hatte. Wir wollten uns anschauen, was die neuesten Entwicklungen sind – gute wie weniger gute, und wir haben einiges gefunden und viele interessante Gespräche gehabt.

Einführungsrunde an der Schiller Bibliothek
Einführungsrunde an der Schiller Bibliothek

Zunächst schauten wir uns auf dem Rathausvorplatz um – der leider nicht Elise- und-Otto-Hampel-Platz (nach den hingerichteten Widerstandskämpfern gegen die Hitler-Diktatur) heißt. Nur ein schmaler Weg an der Seite wurde nach jahrelangen Diskussionen nach den beiden genannt. Die Neugestaltung des Rathausvorplatzes ist im letzten Jahr abgeschlossen worden. Neben der unterirdischen Situation (Regenwasserzisternen unter dem Platz) wurde auch der gesamte Platz sichtbar verändert. Das Ergebnis wurde von einigen Teilnehmenden kritisiert (“Steinwüste”, “ökologische Apokalypse”, “Ödnis”), andere finden den Platz gelungen und das Büro Annabau erhielt sogar einen Landschaftsarchitekturpreis für die Gestaltung.

Auf der Müllerstraße
Auf der Müllerstraße

Diskussionen gab es auch bei uns um die neue Platzordnung. Dass Veranstaltungen und Versammlungen einer Sondergenehmigung bedürfen, ist nachvollziehbar – aber warum ist Radfahren verboten? Eine sichere und gut fahrbare Alternative, um von der Müller- zur Genter Straße oder umgekehrt zu wechseln gibt es ja leider nicht. Radfahren ist auch auf der Müllerstraße ein Thema: Eine Initiative der Stadteilvertetung zusammen mit “fahrradfreundliche Mitte” will möglichst schnell einen geschützten Radweg, also eine vom fließenden Verkehr baulich getrennter Streifen, der Radfahrenden circa drei Meter Platz gibt. Leider zieht sich das Projekt hin, da zuerst der U-Bahntunnel direkt unter der Müllerstraße saniert werden soll. Anfang September wird der zuständige Staatssekretär Streese auf einer öffentlichen Veranstaltung erläutern, wie der Stand der Dinge ist.

Herr Ünlü vom Cafe Leo
Herr Ünlü vom Cafe Leo

Dass es keine Ampel zur sicheren Querung der Müllerstraße vor der Schillerbibliothek gibt (auch ein Thema der Stadtteilvertretung, leider allerdings ohne Erfolg), erlebte unsere Gruppe hautnah, als wir unsere Tour Richtung Café Leo fortsetzen. Der Pavillon ist eine Institution und ein Treffpunkt für viele Menschen direkt auf dem Platz. Das Angebot des Cafés ist preiswert und nichtalkoholisch. Dass viele hier sich kennen, sich grüßen und auch aufeinander achtgeben, ist sofort zu bemerken. Doch leider gibt es auch immer wieder Konflikte, wie uns Betreiber Herrn Ünlü schilderte.

Dass es Menschen auf dem Leo gibt, die selbst Probleme haben und dadurch auch immer wieder Probleme für andere schaffen, wurde uns auch in der Kontaktstelle von Fixpunkt sehr anschaulich gemacht. In den Räumen der Kirche öffnen die Sozialarbeiter*innen täglich die Türen für alle, die Bedarf haben an Wäschewaschen, Zusammensitzen, Sozial- und Gesundheitsberatung oder einfach nur an einem Ort, an dem sie so sein können, wie sie sind – explizit auch, wenn sie betrunken sind, wie uns Tobias Wolf vom Team erzählt. Täglich kommen so bis zu 40 Personen, die hier freundliche und hilfsbereite Aufnahme finden, anders als auf dem Platz, wo immer wieder Konflikte entstehen.

Weiter gehts zum Maxplatz
Weiter gehts zum Maxplatz

Weiter ging es zum hinteren Leopoldplatz, der auch Maxplatz genannt wird. Dort haben wir uns mit Sabine Jahnke angeschaut, wo hier gepflanzt und gegärtnert wird – einfach so, weil sie als Anwohnerin Lust hatte, den belebten Platz grüner und blühender zu gestalten. Unterstützt wird sie vom Grünflächenamt und von einigen Helfer*innen. Doch in so heißen Sommern wie diesem ist es nicht zu schaffen, die Flächen ehrenamtlich zu bewässern und so vertrocknet leider einiges. Von ihr und Herrn Uebele (Kulturen im Kiez e.V.) hörten wir außerdem über die anstehende Neugestaltung des Maxplatzes. Eine große Sorge gilt der Bürger*innenbeteiligung, die vom Bezirksbürgermeister angekündigt ist.

Frau Jahnke, Herr Kociolek und Herr Bertermann
Frau Jahnke, Herr Kociolek und Herr Bertermann

Da die Mittel aus dem Förderprogramm BENE bald ausgegeben werden sollen, muss auch das Beteiligungsverfahren recht schnell passieren und einige befürchten, dass die Interessen der Nutzergruppen auf dem Platz nicht ausreichend berücksichtigt werden. Viele Menschen sprechen kein Deutsch und sind über die sonst üblichen Verfahren nicht zu erreichen. Was der Runde Tisch Leopoldplatz dazu ausgearbeitet hat und einige andere Infos finden sich auf den Seiten 4 + 5 der Zeitung “Ecke Müllerstraße”, Ausgabe 2/2019. Diese Zeitung ist für das Geschehen rund um den Leo und die Müllerstraße generell eine Empfehlung.

Dazu zwei Terminhinweise:

  • Am 5. August trifft sich der Ausschuss “Soziale Stadt” der BVV Mitte und spricht über die Bürger*innenbeteiligung am Maxplatz. Um 17:30 Uhr geht es im Rathaus Mitte (Karl-Marx-Allee 31) los und jeder*r kann ohne Anmeldung hingehen und zuhören!
  • Am 26. August findet die erste Beteiligungsveranstaltung zum Maxplatz bereits statt! Einfach zwischen 17 und 20 Uhr auf den Platz kommen!
Wir sitzen im Himmelbeet
Wir sitzen im Himmelbeet

Schlusspunkt der Tour war das Himmelbeet. Zunächst erläuterte Frau Srna von Amandla die Pläne ihres Vereins, auf dem Gelände ein Sport- und Bildungszentrum zu errichten. Solange kein konkreter Baubeginn in Aussicht ist, kann jedoch der interkulturelle Gemeinschaftsgarten noch auf der Fläche bleiben, derzeit bis Oktober 2020 – mit Pacht- und Gemeinschaftsbeeten, einem nachhaltig arbeitenden Café, einem Backofen (Donnerstag ist Backtag und der Duft war verlockend!) und vielen weiteren Projekten, die Marion vom Himmelbeet gar nicht alle aufzählen konnte. Eine neue Fläche am Nordufer ist im Gespräch, muss aber noch geprüft werden – mehr dazu im erwähnten Artikel der “Ecke Müllerstraße”.

Unser Fazit: Es war toll, so viele Inputs, Fragen und Beiträge zu bekommen!  Rund um den Leo gibt es viele neue Entwicklungen, einige brauchen dringend Begleitung und Engagement durch Anwohnende und Politik. Genug Schatten gibt es am Leo zum Glück auch.

Abschluss im Grünen
Abschluss im Grünen