Neue Verkehrsführung im Sprengelkiez – was “bestellt” war und was gewünscht wird

Infoveranstaltung der Bahn im Sprengelhaus

Pünktlich ging es los, was einige Zuspätkommende launisch kommentierten (vielleicht waren sie mit der unpünktlichen Bahn angereist…?). Drei Vertreter*innen hatte die Deutsche Bahn geschickt, um über 60 Anwohner*innen und anderen Interessierten zu erläutern, was sich durch den Neubau der S-Bahnstrecke vom Hauptbahnhof Richtung S-Bahnhof Wedding verändern wird. Zunächst stellten sie klar, wer welche Rolle hat bei solchen Großprojekten: Sie bei der Deutschen Bahn bauen das, was von der Senatsverwaltung bestellt und vom Eisenbahnbundesamt genehmigt wird. Hier finden sich einige Infos der Bahn und auch der Kontakt zu Frau Britz, die im Sprengelhaus dabei war.

Der Imagefilm des so genannten Projektes “S21” und einige Ausführungen zum Streckenverlauf zeigten zunächst das große Ganze. Ziel der neuen Strecke ist vor allem der Anschluss der Ringbahn an den Hauptbahnhof. Außerdem wird eine Entlastung der Friedrichstraße erwartet.

Doch zunächst geht es in kleinen Schritten vorwärts, die S21 zwischen Hauptbahnhof und Wedding soll 2021 fahren, alles andere dauert deutlich länger. So ist zum Beispiel der zweite Abzweig in Richtung Westhafen noch nicht mal in Planung.

Neuerungen

Was Tobias Schulze bereits schon in seinem Gastbeitrag im Weddingweiser beschrieb, wurde detailreich und mit Begründungen von den Bahn-Vertreter*innen geschildert: Die Tegeler Straße wird nach zwei Seiten Sackgasse, stabile Zäune schützen den Bereich der auf Straßenniveau kreuzenden S-Bahn. Direkt angrenzende Wohnhäuser erhielten Schallschutzfenster. Die neue Strecke führt über das Nordufer. Dort gibt es keinen eigenen Radweg, dafür einen Fußweg, der nah am Kanal entlangführt und auf der Fernstraße endet – im Gegensatz zur Straße Am Nordufer: Diese mündet wenige Meter vor der Fennstraße in die Tegeler Straße, die dann unverändert auf die Fennstraße trifft. Der Bereich Lynarstraße / Nordufer wurde neu gestaltet, damit der Bus gut um die Kurve kommt. Die Parkplätze auf der Seite Richtung Bahntrassen werden in der Lynarstraße wegfallen. Der 142er Bus wird ab 15.12.2019 über das neu gebaute Nordufer fahren.

Viele Fragen

Nach den Schilderungen kam Unruhe auf im Publikum und zahlreiche Fragen wurden gestellt: Warum gibt es keinen separaten Radweg, immerhin handelt es sich hier um eine wichtige Pendlerstrecke und außerdem um den Fernradweg Berlin – Kopenhagen? Warum wird die Lynarstraße nicht asphaltiert? Warum gibt es überhaupt den Umweg über das Nordufer und nicht eine Unterführung unter der S-Bahn? Dass einige Parkplätze in der Lynarstraße wegfallen werden, stieß ebenfalls auf Missfallen. Und was mit einem Bahnhof Perleberger Brücke sei, war auch für viele eine wichtige Frage.

Nur – die Vertreter*innen der Bahn konnten die meisten Fragen nicht beantworten. Das ist auch nicht ihre Aufgabe, denn sie bauen eben das, was “bestellt” wurde und können nur darüber Auskunft geben. Der Running Gag des durchaus heiteren Abends war folgerichtig die Frage, ob etwas bestellt wurde bzw. die Antwort, dass dem eben nicht so sei. An der Perleberger Brücke sind die Möglichkeiten für einen Bahnhof übrigens vorhanden – nur bestellt wurde er bisher nicht, es gibt noch keine Planung.

Das Positive

Bei aller Kritik an den Entscheidungen, die über zehn Jahre zurückliegen und heute sicherlich teilweise anders getroffen werden würden, gibt es auch Positives zu berichten. Die Anwohnerschaft im Sprengelkiez zeigte mal wieder ihr Engagement und Interesse. Die AG Verkehr vom Runden Tisch bekommt sicher Zulauf, es haben sich zahlreiche Menschen für die Mailingliste eingetragen. Was können sie tun? Die AG hat bereits ein Verkehrskonzept ausgearbeitet und wird sich demnächst um Kontakt zum Bezirksamt bemühen.

Zwei Vertreter vom Himmelbeet zeigten sich durchaus aufgeschlossen für die Fläche des Mettmannplatzes für den existenzbedrohten Gemeinschaftsgarten. Leider konnte auch an dieser Stelle nicht genau geklärt werden, wem die Fläche(n) eigentlich gehören.

Die auch im Weddingweiser-Gastbeitrag erwähnte Idee eines Dozenten der Beuth-Hochschule, in einem Seminar Gestaltungs-Ideen für die zukünftigen Sackgassen zu erarbeiten, wird von den Bahn-Vertreter*innen unterstützt: Sie wollen dafür Pläne zur Verfügung stellen.

Was wir tun

Wir werden die AG Verkehr unterstützen, wo wir können und nehmen gern an geplanten Veranstaltungen teil.

Besonders liegt uns die Einmündung der Tegeler Straße in die Fennstraße am Herzen. Hier werden wir weiterhin darum kämpfen, dass eine sichere Begehung, Befahrung und Querung für Alle möglich wird. Im Moment ist es eine Katastrophe.