Unfallschwerpunkte in Wedding und Gesundbrunnen 2017 – keine Toten, aber viele Verletzte

Ich habe – wie im Jahr zuvor – den Senat nach Unfallschwerpunkten gefragt, konkret nach Unfällen mit Personenschaden. Glücklicherweise sind 2017 in den erfragten Abschnitten Wedding, Gesundbrunnen und Moabit keine Menschen im Verkehr gestorben. Das war im Vorjahr noch anders, damals waren zwei Fußgehende und eine Radfahrerin getötet worden.

Ansonsten sind die Zahlen jedoch kein Grund zur Freude: Angeführt wird die Rangliste wie im Jahr 2016 von der Kreuzung Müllerstraße / Seestraße – jedoch mit diesmal fast doppelt so vielen Unfällen, bei denen Menschen verletzt wurden (2016: 17, 2017: 31). Auch die Kreuzungen Fennstraße / Müllerstraße (15 / 22) und Badstraße / Pankstraße / Prinzenallee (14 / 12) sind wieder ganz oben mit dabei, teils mit mehr Unfällen, teils mit etwas weniger. Einen deutlichen Rückgang auf 10 Unfälle gab es an der Stelle Drontheimer Str. / Koloniestraße / Osloer Straße (im Jahr 2016 auf dem 2. Platz mit 16 Unfällen) und auch an der Fennstraße / Ecke Tegeler Straße (von 15 auf 8 Unfälle). Anderer Kreuzungen – wie die Brunnen- / Bernauer Straße sind erst in diesem Jahr ganz vorn mit dabei (von 4 auf 13 Unfälle).

Rang Kreuzung Unfälle Vorjahr
1 Müllerstraße / Seestraße 31 17 (Rang 1)
2 Fennstraße / Müllerstraße 22 15 (Rang 3)
3 Badstraße / Böttgerstraße / Behmstraße 14 11 (Rang 7)
4 Brunnenstraße / Bernauer Straße 13 4 (Rang 14)
5 Badstraße / Pankstraße / Prinzenallee 12 14 (Rang 4)
5 Afrikanische Straße / Amrumer Straße / Seestraße 12 7 (Rang 11)

Die komplette Antwort des Senats gibt es hier als pdf S18-14862.

Woran der stellenweise Rückgang liegt? Die Polizei weiß nur, dass an den “Örtlichkeiten … seit März 2017 keine verkehrsraumgestaltenden Maßnahmen zur Entschärfung der Unfallsituation ergriffen” wurden. Die Einmündung Fennstraße / Tegeler Straße nahe meinem Wahlkreisbüro ist jedenfalls weiterhin täglich ein Risiko: Fußgängerinnen oder Radfahrende, die den Weg durch den Park am Nordhafen benutzen oder anderweitig dort über diese Straßen müssen, quälen sich über drei stark frequentierte Spuren bei schlechter Übersicht, zwischen der Busspur und abbiegenden Fahrzeugen. Leider ist ein Vorstoß der BVV Mitte im vergangenen Jahr (Drucksache 0244/V) erfolglos geblieben: “Die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der Querungssituation für zu Fuß Gehende sieht die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz für diese Örtlichkeit deshalb derzeit nicht.”

Ich fragte im Vorjahr nach Maßnahmen, um Unfallschwerpunkte zu entschärfen. Mir wurde geantwortet, dass die Verkehrslenkung an der Kreuzung Markstraße / Reginhardstraße / Ungarnstraße durch neue Pfeilmarkierungen, Leitlinien und Verkehrslenkungstafeln geändert worden sei. An dieser Stelle sank die Zahl der Unfälle von 8 auf 6.

Bei den häufigsten Unfallursachen kann ich mich in meiner Einschätzung vom Vorjahr nur wiederholen. Sie klingen nicht selten vermeidbar: Oft wird ungenügender Sicherheitsabstand angegeben, auch Nichtbeachten der Verkehrsregelung oder Fehler beim Abbiegen. “Falsches Verhalten gegenüber Fußgänger*innen” ist als Unfallursache besonders tragisch, da diese über keine “Knautschzone” verfügen und vor allem Kinder zu den gefährdeten Verkehrsteilnehmer*innen zählen.

Ich fragte auch wieder, mit welchen Unfallzahlen die Verkehrssituation auf der Müllerstraße zwischen der Nazarethkirche und dem Rathausvorplatz (mit Schillerbibliothek und Jobcenter) in der Statistik auftaucht. Die Stadtteilvertretung Mensch Müller kämpft an dieser Stelle für eine Ampel, die das Queren an der gefährlichen Stelle erleichtern würde. Vor allem Kinder auf dem Weg zur Kinder- und Jugendbibliothek sollten es hier einfacher haben. Leider sind dort im Jahr 2017 wieder viele Unfälle passiert: 47 waren es und sieben Personen kamen dabei zu Schaden. Fünf Personen wurden leicht verletzt (zwei zu Fuß Gehende und drei Kraftfahrzeugführende) sowie zwei schwer (ein zu Fuß Gehender sowie ein Kraftfahrzeugführender).