Anfrage: Offene Software in der Berliner Verwaltung – noch viel zu tun.

Derzeit wird die gesamte Berliner Verwaltung digitalisiert. Grundlage ist das eGovernment-Gesetz Berlins, das unter tatkräftiger Mithilfe der damaligen Opposition noch von der Großen Koalition beschlossen wurde. Die Förderung von Open Source wurde sowohl im Gesetz als auch in der Koalitionsvereinbarung der jetzigen r2g-Koalition verankert. Grund genug, mal zum Status quo beim Senat nachzufragen. Verglichen haben wir die Daten mit denen aus den Anfragen der geschätzten Kollegen Dr. Klaus Lederer und Dr. Simon Weiß aus der letzten Legislaturperiode (hier und hier). Kurz nach der Beantwortung meiner Anfrage wurde auch die IT-Bestands- und Planungsübersicht des Senates veröffentlicht, deren Datenerhebung erstmals eine systematische Bestandserfassung ermöglicht und deren Daten auch der Antwort auf meine Anfrage zu Grund liegen dürften.

Ein paar Trends und Aspekte werden in der Antwort deutlich:

– Betriebssysteme/Clients: 0,3% sind offene OSs (ges. 85226, davon 270 open Source, davon 140 Linux bei der Feuerwehr). 2012 lag der Anteil von Open Source-Betriebssystemen im Client- und Desktopbereich bei rd. 8% (Microsoft-Betriebssysteme rd. 92%), wobei die Vergleichbarkeit der Daten noch zu prüfen ist.

– Office-Anwendungen: zwei Bezirksämter sowie zwei Senatsverwaltungen nutzen Apache bzw. Libre Office („zusätzlich“), alle anderen offensichtlich flächendeckend MS Office. Das macht in Zahlen: 12103 Open Source vs. 78542 Microsoft (15,4 %). Zum Vergleich 2012: Der Anteil von open-source-basierter Office-Software lag damals noch bei rd. 22 %.

– Server: Linux nimmt hier mit 1.341 von 5.656 Server-Betriebssystemen einen recht großen Anteil von 23,7 Prozent ein.

– Fachverfahren: naturgemäß ist hier Open Source sinnvoll einzusetzen. 74 von 316 sind Open Source, 185 von 316 nutzen offene Standards und Schnittstellen. Der Anteil der Fachverfahren mit off. Quellcode ist gestiegen (aber erst seit 2016 sind die Daten brauchbar).

Die Zahlen zeigen, dass Open Source zwar fester Bestandteil der IT-Infrastruktur von Hauptverwaltung und Bezirken ist. Fortschritte sind aber – das kann man wohl trotz der Nichtvergleichbarkeit der Zahlen sagen – kaum erkennbar. Auch der Berlin-PC als zukünftiger Standardclient wird windowsbasiert über das ITDZ angeboten.

Der Senat führt in der Antwort denn auch aus: “Abhängigkeiten zu Herstellern sind nicht prinzipiell zu vermeiden und nicht per Definition schlecht. Betriebskosten werden nicht nur durch Lizenzkosten verursacht.” Letzteres ist sicher richtig, ersteres zumindest umstritten. Auch das Argument, Sicherheit sei mit offener Software nicht per se besser, stimmt aus meiner Sicht nur so halb. Schlecht eingeführte Open-Software ist sicher nicht geschützter als Windows XP – aber was ist, wenn es um ordentlich gewartete und konzeptionell gut aufgesetzte Open Source-Systeme geht?

Der Grundsatz “Öffentliches Geld- offener Code” ist, das zeigt auch die Antwort des Senats, noch nicht in der Fläche verankert. Das hat Gründe, wie das Beispiel München zeigt (gut aufgearbeitet von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in der neuen Studie “Der Kampf um Linux in München.”)  Wer jedoch einen Ansatz von Open City der kommerziellen Smart City gegenüber stellen will, kommt um offene Software als Basis nicht herum.