Die Wiesenburg: Ein Ort mit besonderer Geschichte und ungewisser Zukunft

Die Wiesenburg ist ein denkmalgeschütztes ehemaliges Obdachlosenasyl, welches im Jahre 1897 vom Berliner Asylverein für Obdachlose errichtet wurde. Zu dieser Zeit galt es als eines der modernsten Obdachlosenunterkünfte. 7000 Männer im Monat fanden anfangs dort Zuflucht. 10 Jahre später wurde es um das Frauenasyl erweitert, welches zusätzlich 400 Frauen und Kindern eine Unterkunft bot. Im Jahr fanden dort 400.000 Menschen in den insgesamt 1.100 Betten unter menschenwürdigen Bedingungen einen Schutzraum vor polizeilichen Übergriffen.
Zu den Gründungsmitgliedern des Asylvereins gehörten Prominente wie der Physiker Rudolf Virchow, sowie Borsig, Bolle und Paul Singer. Die besondere Strahlkraft des Ortes zog Besucher*innen wie Rosa Luxemburg, Kurt Tucholski, Erich Kästner und Hans Fallada an. Des Weiteren diente sie als Filmkulisse unter anderem für die Filme „Die Blechtrommel“, „Fabian“ und „Lili Marleen“. Im zweiten Weltkrieg übernahmen die Nazis die Wiesenburg. Teile des Gebäudes wurden während des Krieges stark beschädigt.
Bis heute hat sie trotz Schäden nicht an Strahlkraft verloren. Künstler*innen und Gewerbetreibende haben in den verbliebenen Gebäudeteilen einen Ort zum Kreativsein und Arbeiten gefunden. Sie haben die Pflege des Geländes übernommen, organisieren Veranstaltungen und erzählen die Geschichte der Wiesenburg. Der besondere Charakter zeichnet sich nicht nur durch die Gestalt der Wiesenburg aus, sondern auch durch die Menschen, die sich den Ort über die Jahre angeeignet haben.

Die Wiesenburg befindet sich im Eigentum des Landes Berlin und wurde vor 3 Jahren zur Entwicklung an die Degewo übertragen. Im Planungsprozess zur Sanierung der denkmalgeschützten Altbaubestände und zur Realisierung neuer Wohnungen auf der Freifläche des Grundstückes ergeben sich einige Konflikte.
Die Nutzer*innen gründeten 2015 den Verein Wiesenburg e.V., um ihre Standpunkte im Planungsprozess sichtbar zu machen. Eine Berücksichtigung haben sie sich hart erkämpft. Auch im laufenden Werkstattverfahren kommen ihre Erfahrungen und Kenntnisse über den Ort oft zu kurz.
Ihr Ziel ist es, vor allem den Bestand zu sichern und den besonderen Charakter zu erhalten. Des Weiteren möchten sie die kulturelle Nutzung weiterentwickeln und in die Planungen integrieren.
Ein zentrales Problem stellt ihr Verbleib auf dem Gelände dar. Dies ist vor allem abhängig von den Mieten nach der Sanierung des Altbaubestandes. Es bestehen große Sorgen darüber, dass sie nach einer Umsetzung zur Sanierung des Gebäudes nicht mehr auf die Wiesenburg zurückkehren können.
Um mit dem Top-down-Verfahren der Degewo zu brechen, haben wir die Wiesenburger dabei unterstützt, einen eigenen Termin mit der Bausenatorin Katrin Lompscher zu gestalten. Dieses Treffen fand am 13.06. auf der Wiesenburg statt. Die Mieter*innen führten über das Gelände und äußerten ihre Wünsche. Im Anschluss erhielt Katrin Lompscher ein Visionspapier der Wiesenburger. Die Senatorin machte deutlich, dass sie die Wünsche und Ängste ernst nehmen wird. Auch wir werden den Prozess weiter begleiten und uns dafür einsetzen, dass die Bedürfnisse und Forderungen der Künstler*innen und Gewerbetreibenden Beachtung finden und die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für deren Verbleib auf der Fläche geschaffen werden.